von Wolfgang Reimer – Dresden
Der äußerste Osten des Freistaates Sachsen, im Städtedreieck Görlitz-Bautzen-Zittau, überrascht
durch eine anmutige Berglandschaft, deren Gipfel von den Förderschloten ehemaliger Vulkane und
den Härtlingen des Lausitzer Granits gekrönt werden. Siedlungsarchitektonisch ist die Gegend Teil
der Umgebindehäuserlandschaft, geprägt durch das sogenannte Umgebindehaus, einem ehemals im
ganzen Osten weit verbreiteten Verschnitt aus Blockhaus und Langständerfachwerkhaus. Es war dies
das Land der Weber, der Steinarbeiter, aber auch der Arbeiter der frühen Industrialisierung, vor
allem durch die Tuch- und Landmaschinenindustrie. Im Süden geht dieser Teil Sachsens in die
Sächsische Schweiz über, einem Teil des Elbsandsteingebirges, das sich bis nach Tschechien in die
Böhmische Schweiz hinein erstreckt. Mit dieser geologisch-geografischen Betrachtung ist das Terrain
unserer Ausfahrt in den Mai schon beschrieben. Selbst für uns Sachsen ist diese etwas ab vom Schuß
gelegene Gegend immer wieder voller Überraschungen, für unsere Freunde vom Stammtisch Berlin,
die wieder in ordentlicher Stärke aufgestellt waren, war es weitgehend Neuland.
Startpunkt: Pirna an der Elbe, das Tor zur Sächsischen Schweiz, von wo aus es in Richtung Hohnstein
ging. Der Ort wird von seiner mittelalterlich anmutenden Burg gekrönt, um die sich das kleine
Städtchen – gleich der Kulisse einer Spielzeugeisenbahn – anschmiegt. Der kleine Marktplatz
unterhalb der Burg reichte geradeso zu, um unsere 13 Sterne in Stellung zu bringen, sehr zur Freude
der im Ort weilenden Gäste. Nach diesem ersten Stopp ging es über die Höhen der Hohberge über
Cunewalde, dem schon zu DDR-Zeiten für seine vorbildliche Sanierung der Umgebindehäuser
international ausgezeichneten Erholungsort, weiter hinauf zum Löbauer Berg. Nach langer Fahrt war
der Fußmarsch zum gußeisernen Aussichtsturm von 1854 recht willkommen, hielt die Speisekarte der
nahen Turmgaststätte doch allerlei Leckereien der lausitzer und sächsischen Küche bereit. Doch erst
die Arbeit, also Hinaufgesteigen auf fast 500 m Höhe, von wo aus sich uns ein weiter Blick über die
Sächsisch-Böhmische Schweiz bis hinein nach Niederschlesien und die Niederlausitz bot, und das bei
allerfeinstem Sonnenschein.
Zum Kaffeetrinken, in Sachsen ein Muß, brachen wir schließlich ins nahe Waltersdorf auf, einem
dieser kleinen und noch so ursprünglichen Umgebindehäuserorte. Im dortigen Kretscham (sorbisch
für Gasthof) wartete neben einer reich gefüllten Kuchentheke eine ganze Reihe von Kaffeespezialitäten
aus aller Herren Länder auf. Der Verdauungsspaziergang mit den Benzingesprächen fand rund
um unsere schön in Reihe geparkten Sterne statt, mit einem Blick in das Wageninnere und unter die
Haube. Selbst ein vorbeituckernder Minicooper-Oldie mit einem mit Sturmbrille bestückten
Schäferhund auf der Rückbank konnte unseren Mercedes Veteranen die Show nicht stehlen, wohl
eher schon ein uns entgegenkommender Adler aus den 30iger Jahren, der freundlich hupend grüßte.
Weitere Blickfänge waren ein alter IFA Lastwagen aus den 60ern, der wohl ganzjährig sich „im
Dienst“ befindet. Man merkte, dass die Saisonkennzeichenträger noch nicht unterwegs waren, es
war eben noch April.
Die Rückfahrt führte durch den sogenannten Schluckenauer Zipfel, einer nach Sachsen weit
hineinreichenden Landzunge des ehemalig deutsch besiedelten Böhmens mit den Orten
Schluckenau, Rumburg und Böhmisch Leipa. Sie sind heute Teil des grenzübergreifenden
Wirtschaftsraums, der Ostsachsen mit dem polnischen Niederschlesien verbindet. Die Fahrt runter
ins Elbtal zurück nach Pirna führte entlang der weitgehend unbekannten Nordgrenze der Tafelberge
der Sächsischen Schweiz, die im Abendrot getaucht fast schon wie die Drakensberge im nördlichen
Südafrika erschienen. Womit sich für die Berliner und Sachsen abermals die Erkenntnis
bewahrheitete: Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute liegt so nah!
Kaleidoskop zur Fahrt in den Mai in die Oberlausitz und die Böhmisch-
Sächsische Schweiz, Saisonauftakt des MBIG Stammtischs Dresden-Elbland






sind uns heute nur noch wenige Bauwerke überliefert. Der Löbauer Turm von 1854 wurde liebevoll saniert und hält immer
noch.

Stammtisch Dresden-Elbland anschließen wollen.


Dieses Mal lachten die Sonne und die Fahrer!




