2022 Zu Gast bei August Horch

Der Stammtisch Dresden-Elbland auf den Spuren der Wiege des deutschen Automobilbaus
Dr. Wolfgang Reimer, Dresden
„Mit Mercedes kommen Sie hier her?“ – Die Worte der Empfangsdame im August-Horch-
Museum in Zwickau klangen schon fast mit einem kleinen Ton des Unverständnisses, als wir
21 Ausflügler des Stammtisches Dresden-Elbland uns zur Gruppenführung um ihren Schalter
scharten. Man ist hier an der Geburtsstätte von Audi – einer Gründerzeitfabrik in der
Audistraße 7 in Zwickau – schon zurecht ein wenig stolz. Stolz auf eine Zeit bis zum Zweiten
Weltkrieg, in der die Marken Horch, Wanderer, DKW, und Audi internationale
Automobilgeschichte schrieben. Als – nur um ein Beispiel zu nennen – die herausforderndste
aller Rallys der Jahrhundertwende, die Internationale Österreichische Alpenfahrt, gleich
viermal hintereinander von Wagen der Marke Audi gewonnen wurde. Die Trophäe steht
heute allerdings in Ingolstadt, das – einst als Außenstelle im Sinne eines Materiallagers
gegründet – im bundesdeutschen Wirtschaftswunder mit Fachkräften aus Zwickau die
Erfolgsgeschichte fortsetzte, während die Besatzer im Osten Deutschlands das Verbliebene
demontierten und der Name im Handelsregister erlosch. So teilt sich das Museum in zwei
Epochen: Die Vorkriegsgeschichte und die Zeit der VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau und
dem Nachfolger VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. Letztere steht für den Stolz der
ostdeutschen Ingenieure, die unter politischen und ökonomischen Zwängen eigene
Automobilgeschichte geschrieben zu haben. Das sind nicht nur der Trabant oder die DKW
Motorräder, aus denen später erst die MZ, die Motorradwerke Zwickau, hervorgingen,
sondern auch Legenden wie die bei Altbundesbürgern wenig bekannte Limousine
Sachsenring oder auch die Fahrzeugentwicklungen im Transport- und Militärwesen.
Aber wir als Besitzer eines Mercedes, deren Entwicklung erst nach dem Fall der Marke Horch
richtig auflebte, waren natürlich an der Goldenen Ära, also der Epoche von 1904 bis 1946
interessiert. Mehr ließ auch die Zeit gar nicht zu, denn es sollte ja noch zu einer Ausfahrt
hoch ins Erzgebirge gehen.
Punkt 11:00 Uhr holte uns August Horch persönlich ab. Unser 82jähriger Führer schien nie
was anderes als dieser August Horch gewesen zu sein. Nicht nur in seiner Eigenart, auch in
seinem Wissen drückte sich ein tiefes Verständnis der Details und der Zeitgeist dieser
Fahrzeugepoche aus. Da wurden wir in laufende Motortestmaschinen eingeführt (man
bekam mal ein Gespür dafür, wie so ein Horch Achtzylinder lief) oder wurden die Maschinen
eines nachgestellten Fabrikraumes in laufender Arbeit erklärt. Wer wird das im Zeitalter der
Elektroautos noch alles begreifen können? Wir zogen durch die im Museum so perfekt
inszenierten Welten der Automobile, als wären wir Zeitreisende.
Hier geraten wir in einen Polizeieinsatz auf einer turbulenten Kreuzung; dort passieren wir
Ladenstraßen mit im Stil der 30er Jahre ausstaffierten Schaufenstern. Davor parken die
kleinen Konkurrenten der KdF-Wagen als Zeugen der Weltwirtschaftskrise. Da überwältigt
einen die Noblesse der Wanderer und Horch-Limousinen in einem nachgebauten
Verkaufsatelier und finden wir uns auf einmal auf der Reichsautobahn oder auf den
Alpenpässen wieder und bestaunen die DKW und Horch Cabriolets und ihre Besitzer. August
Horch, der echte, schrieb am Lebensabend ein Buch: „Ich baute Autos“. Er wäre stolz auf das
Museum, das unter Mitwirkung der Volkswagen AG und Audi entstand. Aber er wäre auch
traurig über die deindustrialisierte Stadtkulisse, wie sie sich nunmehr um das Museum zeigt.
Die Konzerne haben sich woanders entwickelt, und so verließen wir zum Kaffeetrinken diese
„Hall of Fame“ zur Ausfahrt nach der Bergstadt Annaberg und erklommen im Konvoi den 831
Meter hohen Pöhlberg mit seinem Biergarten und einem herrlichen Blick über das Gebirge.
Denn Kaffeetrinken ist ganz wichtig in Sachsen.
Gleich hinter Zwickau durchfährt man eine grüne Kulturlandschaft, vorbei an den erntereifen
Feldern über Fichtenbestandene Kämme mit ihren Bergwiesen und illustren Bauernhöfen
und den Industriedörfern in den Tallagen. Die Kolonne bestand – dank starker Resonanz vom
Leipziger W124 Club aus sieben W124ern, darunter einem edlen Kombi, – sorry „T“.
Desweiteren drei Heckflossen, vertreten durch einen 220SE, 230S und einen 280SE Coupé.
Zu guter letzt war noch ein W126 dabei, der das Rudel vervollkommnete und so etwas wie
Bandbreite erzeugte. Wir konnten uns wirklich sehen lassen!
Nun waren wir schon im Begriff vom Pöhlberghotel aufzubrechen, weil die Abendsonne sich
dem Horizont näherte, da kam auf einmal eine schwarze Heckflosse mit Gummersbacher
Kennzeichen daher. Schnell wurde klar, der muß über 500 Kilometer unterwegs gewesen
sein. Und da die Bergischen nun einmal sehr kontaktfreudig sind, fand sich schnell in
Joachim, dem stolzen Besitzer, ein netter Kollege, mit dem man noch bis weit in den Abend
hinein Bezingespräche führen konnte. Ein Zeichen, dass also kein Weg zu weit ist, mit seinen
klassischen Sternen gen Sachsen aufzubrechen. Vielleicht zu einem Besuch im August-Horch
Museum? Um die werten Vereinsbrüder und -schwestern noch ein wenig mehr
anzustacheln, soll in einer kommenden Folge darüber eingehender berichtet werden, denn
ein bisschen Mercedes spielt auch hier eine Rolle.
Zum

Kontakt: Wolfgang Reimer, Stammtisch Dresden-Elbland.

Horsch 1 1
Zum Verwechseln ähnlich: Der echte August Horch mit seinem heutigen Double umrahmt von
den Teilnehmern der Ausfahrt.
Horsch 2 1
Einmal volltanken bitte! STANDARD-Tankstelle der DPAD aus der Zeit um 1930 mit einem
Audi Achtzylinder.
Horsch 3 1
Audi Typ E Vierzylindermotor von 1913. Made in Zwickau!
Horsch 4
Eintauchen in Epochen: Hier Ladenzeilen als Kulissen von Fahrzeugwelten, wie diese
Kleinfahrzeuge aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise.
Horsch 5
Ein Horch 400 Polizeimannschaftswagen von 1930 am Ort des Geschehens
Horsch 6
Horch-PKW waren im Deutschen Reich der 1930er Jahre die meistverkauften Wagen in der
Oberklasse; hier der Wagen des deutschen Botschafters in Argentinien von 1937 im original
erhaltenen Zustand der Auslieferung.
Horsch 7
Blick vom Pöhlbergturm zum höchsten Berg Sachsens, dem 1215 m hohen Fichtelberg
Horsch 8
Joachim Lölsdorf mit seinem 1962er W111 nach einem Tagesritt aus Gummersbach im
Bergischen Land vor dem Pöhlbergturm. Er war mit dem Wagen schon fast überall in Europa
unterwegs.
Horsch 9
Wagen des Tages: Der W124 T von Dirk-Wito Franke aus Dresden.

Wie nennt man den Ponton im Ausland?

Deutschland, Germany

Ponton

USA

Ponton

Niederlande, The Netherlands

Bolhoed
wie die alten britischen Hüte
like the old British Hats

Mexiko, Mexico

Bilotas
kleine Bälle
little Balls

Australien, Australia

Neuseeland, New Zealand

Roundies

Costa Rica

Chanchito

Schweden, Sweden

Bull-merca
Brötchen Mercedes
bun Mercedes

Venezuela

Bolido
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